Labakan der falsche Prinz

24./29. Mai 2002

Das Theaterstück „Labakan der falsche Prinz“ basiert auf dem orientalischen Märchen von Wilhelm Hauff (1802 bis 1807) „Der falsche Prinz“. Die Theaterfassung hat Fritz Reichert verfasst.

Mit dem Samariterverein besuchte ich im September 2001 die Sendung Gesundheit SprechStunde im Fernsehstudio DRS. An diesem Abend war dort auch Prof. Dr. Sailer mit zwei indischen Kindern, mit Lippen- Kiefer und Gaumenspalten. Die Kinder sahen wirklich ganz schlimm aus. Sie wurden dann in der Schweiz operiert und zwei Wochen später kehrten sie überglücklich, strahlend und auch schon fast normal aussehend, nach Indien zurück.
Kurze Zeit später traf ich Patricia Fässler. Als ich ihr sagte, ich sei Lehrer, vertraute sie mir an, sie würde so gerne einmal in eine Schule kommen und etwas mit den Kindern machen. Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass sie eine Sekundarschule besucht, um über Themen wie Modeln, Schönheit, Magersucht, etc. zu sprechen und Fragen zu beantworten und sie am gleichen Tag das Theater meiner 4. Klasse, dessen Erlös an die Cleft Lip and Palate Stiftung von Dr. Sailer gehen sollte, besuchen würde. Ich habe ihr den Vorschlag gemacht, eines ihrer begehrten Kissen mitzunehmen, um es zu versteigern. Sie war damit sofort einverstanden.
Bei ELGG-Verlag habe ich Theaterhefte bestellt. Das zweite Stück, das ich gelesen habe, hat bei mir eingeschlagen, und zwar aus verschiedenen Gründen: Es war in Reimform verfasst, in einem wunderschönen, gepflegten Hochdeutsch, es hatte 26 Rollen, davon 9 Mädchenrollen (meine Klasse zählt 26 Schüler, davon 9 Mädchen!) und auch das orientalische Ambiente hat mir gefallen! Zudem fand ich es auch sympathisch, dass auch einmal der Betrüger belohnt worden ist! Naja, niemand von uns hat gerne Betrüger um sich, aber wäre Labakan schön brav und anständig geblieben, wäre ja auch das Märchen „Labakan der falsche Prinz“ nie entstanden! Und das wäre ja auch sehr schade gewesen!
Die Vorbereitungszeit dauerte etwa vier Monate. Zuerst musste der Text gelesen und verstanden werden, dann war die Rollenverteilung an der Reihe. Anschliessend war Auswendiglernen angesagt, erste Proben, zuerst ohne Kleider und Requisiten, dann mit immer mehr Material. Ein Elternabend zum Thema Theater hat wichtige Impulse gebracht. Als ich fragte, ob jemand zu Hause einen schöne Sessel hätte, den man als Thron verwenden könnte, hat ein Vater spontan den Vorschlag gemacht, einen Miss-CH-Stuhl von Vögele zu organisieren. Er wusste natürlich nicht, dass Patricia Fässler kommen würde. Ich habe mich über den Vorschlag sehr gefreut und der Sessel hat tatsächlich wunderbar in den „Sultanspalast“ gepasst! Einen grossen Teil der Kostüme haben wir von einer Theatergruppe aus Chur bekommen, der Rest wurde ausgeliehen oder von Müttern an einem Nähabend mit Andrea Bischof und Sonja Gavoldi genäht. Zwei Tage war auch Frau Myriam Kohler aus Chur bei uns in Kaltbrunn. Sie hat uns die Kleider ausgeliehen und auch viele wertvolle Tipps gegeben. Die schönen Teppiche im Wert von etlichen tausend Franken hat uns Izadyar Behzad aus Jona kostenlos zur Verfügung gestellt. Bei der Regie hat mich Frau Cäcilia Rickli stark unterstützt, alleine wäre es schwierig gewesen.
Die ganzen Vorbereitungen waren umfangreich, aber richtig mühsam war es nie. Es ist alles unheimlich rund und harmonisch gelaufen. Nur am Tag der Hauptvorstellung waren etlich Schüle so nervös, dass sie einfach unausstehlich waren.
Die Vorstellungen sind beim Publikum offenbar bestens angekommen. Sowohl Kostüme, Kulissen, Ausstattung der Bühne, Musik, Sprache und schauspielerisches Vermögen der Kinder sind gerühmt worden. Besonders an der Premiere, so hatte ich das Gefühl, hat jeder alles gegeben!
Patricia Fässler besuchte am Freitagnachmittag zwei Sekundar-klassen von Herrn Bert Hildebrand in Uznach und am Abend hat sie unserer Theateraufführung beigewohnt. Die Versteigerung eines ihrer Kissen, durchgeführt vom redegewandten Schulratspräsidenten Ernst Räber, hat allen Spass gemacht und (ohne Sponsorengelber) ca. Fr. 1700.- eingebracht. Mit ihrem diskreten Auftreten, ihrer Fähigkeit, mit Jung und Alt zu kommunizieren und ihrer Kleidung im „oriental look“ gewann sie die Sympathien der Theaterbesucher. Ausgesprochen lecker war natürlich auch der mit viel Liebe zubereitete Apero!
Als Sponsoren konnten wir die Spar- und Leihkasse Kaltbrunn, Vögele Shoes, Garage Stüssi Kaltbrunn (Honda und Skoda), Auto Eberle Eschenbach (SEAT), TEGA Uznach (Bodenbeläge) und die De Zanet AG gewinnen.
Insgesamt hat der Anlass 3750.- Fr. eingebracht. Das Geld geht an die oben erwähnte Stiftung. Damit können in Indien 12 Kinder operiert werden und erhalten somit die Möglichkeit, ein menschenwürdiges Leben zu führen.
An dieser Stelle möchten ich allen Beteiligten, den Behörden, aber auch Patricie Fässler ganz herzlich danken! Ohne den Einsatz etlicher Hände, wäre das Ganze nicht möglich gewesen. Einen ganz speziellen Dank geht an meine Schülerinnen und Schüler für ihre hohe Motivation und ihren wunderbaren Einsatz!
Gion D. Ragaz
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