Autoren live in Kaltbrunn

Die Kantonsbibliothek St. Gallen organisiert auch im Jahre 2006 die Ostschweizerischen Autorenlesungen. Rund 40 Schriftstellerinnen und Schriftsteller stellen sich zur Verfügung, um von ihrer Arbeit zu erzählen und aus ihren Büchern vorzulesen. Zwei Autoren besuchten am 8. und 9. Mai 2006 die Primarschule Kaltbrunn. Gespannt und mit viel Begeisterung lauschten die Schülerinnen und Schüler von der 2. bis zur 6. Klasse den Erzählungen.

Am Montag, 8. Mai besuchte Rudolf Gigler einige Klassen der Unterstufe. Die Schülerinnen und Schüler waren sichtlich neugierig auf den Mann mit österreichischem Dialekt, der vor ihnen stand. Zu Beginn stellte er sich kurz als Autor aus Stubenberg vor und verriet, dass er früher seinen drei Söhnen Geschichten erzählte und aus diesen Geschichten entstanden im Verlaufe der Jahre Bücher. Wie auf seiner Homepage zu erfahren ist, sind es mittlerweile über 30 Bücher, die er für Kinder zu Papier gebracht hat. Auf sehr humorvolle und packende Art begann er aus einem seiner Bücher die Geschichte „Wenn ich einmal gross bin“ zu erzählen. Eine Geschichte, in der ein Junge sehr viele Berufswünsche hatte: Bergsteiger, Motocrossfahrer, Pilot, Lokomotivführer, Polizist, Clown usw. Immer wieder war jener Junge vom ausgewählten Beruf fest überzeugt, doch nach dem Abwägen von Vor- und Nachteilen bekundete er Zweifel und entschied sich für einen anderen Beruf. Wer von euch würde denn gerne 17 Mal am Tag die Hände waschen? Oder was macht ein Clown, wenn er traurig ist? Nach Amerika zu fliegen ist schon toll, doch dann kann ich abends nicht in meinem Bett schlafen. Am Schluss der Geschichte kam des Lehrers Ratschlag: „Wenn du nicht weisst, was du werden willst, so werde doch zuerst einmal gross.“ Die meisten Kinder fühlten sich gleich angesprochen von dieser Geschichte, denn in jedem Kind schlummert auch der eine oder andere Berufswunsch. So folgte eine Erzählung nach der andern. Da war eine über einen Faulpelz, der absolut keine Lust auf Schule hatte und versuchte, seiner Mutter mit Hilfe eines Tricks klar zu machen, dass er wirklich sehr krank sei. Seine besorgte Mutter brachte ihm bitteren und ungezuckerten Misteltee, den er kaum trinken konnte. Hinzu kam, dass er auch keine leckeren Sachen essen durfte und bei einem sehr wichtigen Fussballspiel nicht dabei sein konnte. War es wohl eine gute Idee, sich krank zu stellen? Im Trubel von WM-Fussballbildern und Hältliturnier traf Rudolf Gigler mit dem Thema Fussball voll ins Schwarze. So konnte er auch mit seiner letzten Geschichte: “Der König mit den O-Beinen“ alle Kinder fesseln. Die Geschichte begann etwa so: „In einem fernen Land leben ein König, seine Bediensteten sowie seine Bewohner in Glück und Harmonie. Ein kleines Problem scheint sich anzubahnen, das die Freude in dem Land zerstören könnte. Die O-Beine des Königs. Seine Untertanen haben sich an die Beine ihres Königs gewöhnt. Für sie ist es nichts Aussergewöhnliches mehr. Doch eines Tages äussert sich ein Kind lautstark zu den O-Beinen des Königs. Dieser ist zutiefst verletzt und zieht sich zurück. Die Stimmung im Lande trübt sich zusehends. Doch ein Fussballspiel bringt die Wende. Der König trifft dabei nämlich einen weltbekannten Fussballer, dessen Beine er eingehend studiert. Er entdeckt, dass dieser Fussballspieler noch krummere Beine hat als er. Sie kommen ins Gespräch. Der König fragt, ob er wegen seiner Beine nicht verspottet werde. Selbstbewusst antwortet dieser: „Je krummer die Beine, desto grösser das Können.“ Der König und somit auch die Bewohner seines Reiches waren nun wieder überglücklich.

Beeindruckend war, wie Rudolf Gigler mit viel Leidenschaft, grossartiger Mimik und Gestik aus seinen Büchern las und sowie Schülerinnen und Schüler als auch die Lehrpersonen mit ins Geschehen einbeziehen vermochte. Während einer guten Stunde durften die jungen Zuhörerinnen und Zuhörer abtauchen in die Welt der Geschichten -  zuhören, mitspielen, staunen und viel lachen.

Am Dienstag reiste Lukas Hartmann nach Kaltbrunn, ein bekannter Autor aus Bern, der Bücher für Erwachsene und Kinder schreibt und dafür schon etliche Auszeichnungen erhielt. Eines seiner Kinderbücher soll im nächsten Jahr sogar verfilmt werden.

Erwartungsvoll sassen die Kinder auf ihren Stühlen und hatten zu Beginn gleich die Möglichkeit, Herrn Hartmann einige Fragen zu stellen und ihn etwas näher kennen zu lernen. Für wen er denn lieber schreibe, war eine der Fragen. Diplomatisch antwortete Herr Hartmann, dass er die Abwechslung liebe und somit für Erwachsene und für Kinder gerne schreibe. Weiter erfuhren wir, dass er kürzlich Grossvater geworden ist und er eine gute Beziehung zu seinem Enkel aufbauen möchte. Bereits mit 12 Jahren hatte er den heimlichen Wunsch, Autor zu werden. Zuerst übte er aber den Beruf als Lehrer aus, berichtete, dass er an seiner ersten Stelle Krawatten tragen musste, die er absolut nicht leiden konnte. Das Schreiben war für ihn zunächst ein Hobby, das er aber bald zum Beruf machte. Während seiner Arbeit als Autor hatte er anfangs einige Enttäuschungen erlebt, doch war das für ihn Motivation, sich zu verbessern und weiter zu machen. Zum Glück, denn sonst hätten wir nie etwas von seinen lustigen Essgeschichten gehört, von der grossen Pastaschlacht oder den Erdbeerpiraten oder vom Reis, der von der Gabel fällt. In dieser Geschichte lernten die Kaltbrunner Schulkinder Paavai aus Sri Lanka kennen, die neu in die Klasse von Mirko kam, sehr klug war und immer lächelte. „Warum lächelst du eigentlich immer?“, fragte Mirko sie eines Tages. „Warum sollte ich nicht“, war ihre Antwort. Mirko lernte Paavais Familie kennen, wurde anfangs von ihnen bestaunt, als wäre er Michael Schuhmacher, trank mit ihnen Tee und ass mit ihnen Reis. Alles kam ihm etwas fremd vor, doch er fand es schön. Die Kinder aus Kaltbrunn erwachten, als sie von ihren Lieblingsspeisen erzählen durften, oder von dem, was sie nicht leiden konnten. Nach dem kleinen Kochkurs mussten sich die Schüler einem Aufmerksamkeitstest stellen und während Herr Hartmann ihnen aus dem Buch „Die fliegende Groma“ vorlas, sich möglichst viele Namen merken. Sie lernten Cassius kennen, der der Meinung war, dass jeder seinen Namen erst mit zehn Jahren definitiv bekommen sollte, Catherine, die ältere Schwester von Cassius und Cora, die den lustigen Übername Cornflake trug. Die drei Geschwister erleben so einiges mit ihrer 89-jährigen und dennoch munteren Grossmutter. Sie vergnügen sich gemeinsam oft mit Rollenspielen, machen Musik oder Groma liest kuriose und spannende Geschichten vor. Wir erfahren, dass Groma sich leider an Familienfeiern unmöglich verhält. Da sie gerne einen über den Durst trinkt, beginnt sie in angeheitertem Zustand zu singen, hält Reden, gräbt alte Geschichten aus und als Höhepunkt der eher peinlichen Darbietungen hält sie ihren Zigeunertanz. Die Kinder erleben mit ihrer Fruchtjogurt liebenden Groma viel Lustiges und Spannendes. Leider verletzt sich Groma eines Tages und sie ist auf Hilfe einer Betreuerin angewiesen. Was der fliegende Rollstuhl, der von Erfinder Felix geplant, aber nie ausprobiert wurde für eine Rolle spielt, haben wir nicht mehr erfahren.

Gebannt und interessiert hörten die Schülerinnen und Schüler dem Erzähler mit der unerschöpflichen Phantasie zu. Bestimmt werden einige die Geschichte von der fliegenden Groma zu Ende lesen.

Es war ein grossartiges Erlebnis, zwei Autoren hautnah kennen zu lernen. Der Dank gehört Herrn Gigler und Herrn Hartmann, sowie allen anderen, die diese Lesungen ermöglichten.

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